mit dem sozialen Programm "weltwärts" nach Paraguay

Category : Un Techo para mi País

“Y Después?!” heisst soviel wie “Und nu?!” , passt hier quasi an jeder Stelle in jede Unterhaltung und hat quasi immer ein Schulterzucken, Lachen und die Antwort “Tranquiiiiiilo Che” zur Folge. Je mehr “i” das “ruhiiiiiiiiiiiiiiiig mein Lieber” besitzt desdo extremer wird “gechillt”. Es tut mir wirklich Leid fuer alle Leute, die auf formale Sprache und so etwas stehen…- dieser Artikel wird damit ausnahmsweise leider nichts zu tun haben. Denn bei mir ist alles fiiiiiiiiiiiiinalmente ziemlich arg tranquiiiiiiiiiiiiiiiilo. Wenn ich euch jetzt sage, dass ich bei Rentnern wohne, 10 Zeilen Leerzeichen als Tagesbeschreibung mache und euch ein bisschen was von meinem Nneka-Livestream einspiele, habt ihr fast vor Augen, wie ich gerade auf meinem Balkon sitze. ;)

Okay, ganz soviele “i”´s haben sich doch nicht in meinen Tag geschlichen, aber es draengen sich schon ziemlich viele davon in den den Alltag bei dieser brutalen, unerbittliche und feuchten Hitze!

Nagut ich raff mich zumindest auf, mich an die vergangene bewegte Zeit zu erinnern…

Verdammt nochmal! Wir haben was geschaaaaaaaaaaaaaaaaaaaafft!!!!!!!!!!!!!! 1000 Haeuschen innerhalb von 2 Jahren stehen! Das Wochenende vor Weihnachten gab es Construcción auf Volldampf, Hitze wie im Backofen und Einsatz bis auf die Zaehne! (Ich diesmal als Cuadrilla-Chefin mitten im Geschehen! :P ) Das Jahresziel, ueber das Anfang des Jahres noch viel gespottet wurde, ist erreicht und verteilte sich wie fluessige Tinte ueber saemtliche Titelseiten.

1000 ist nur eine Zahl- aber eine ziemlich grosse, die auf sich Aufmerksam macht und die langsam Respekt fordert von einer verkrusteten, betauebten Bevoelkerung und deren (mehr oder weniger gewaehlten) ignoranten Politikern. Es ist nur ein kleiner erster Schritt, wenn man den Rest des Weges betrachtet, aber… Okay, basta ya!

Um die Argumentation (welche ich ohne weiteres ueber  etliche Zeilen ausweiten koennte!) abzukuerzen,stelle ich einfach nur folgende Frage in meine Leerzeichen:

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Wieviel kann noch erreicht werden, wenn trotz saemtlicher Barrieren, allein in Paraguay etwa 5000 verhaetschelte Jugendliche freiwillig in die Armenviertel losziehen, um schwitzend in den letzten Dreck Hoffnung und Veraenderung zu tragen?!

*Platz fuer eigene Gedanken……………

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Ich hatte ein wunderschoenes Weihnachtsfest! Allein schon der Gedanke, dass Ramona, Ignocencia, Fatima, Don Ramón, Rosa, Augustina, María und noch viele andere mit ihren Familien eine frohere Weihnachten verbracht haben und guten Mutes ein neues Jahr antreten, hat Weihnachten auch fuer mich mit Freude erfuellt. Obwohl ich ja zugeben muss,… dass es nicht wirklich Weihnachten fuer mich war. Es war Navidad! (Weihnachten auf Spanisch) Es fuehlt sich allein schon wegen der Temperatur nicht nach unserem Weihnachten an, sondern eben nach Navidad. Navidad ist ein froehliches, geschwaetziges Familienfest, bei dem viel gelacht, einiges gegessen und getrunken wird. Zur erwarteten 12. Stunde beglueckwuenscht man sich, tritt an die Krippe, wuenscht sich im Stillen etwas vom Jesuskind und knallt/schiesst und entzuendet soviel Krimskrams wie moeglich. Die traditionelle Variante ist die Flinte zu zuecken und in die Luft draufloszuballern, deswegen tritt man ab 12 lieber unters Dach wegen den herunterfallenden Kugeln. Ich habe den 24. mit der ueberaus lebensfrohen Grossfamilie meiner Ferienfamilie (Uebergangsfamilie/ neuen Familia… wer weiss das schon :D ) verbringen duerfen.

Den 25. bin ich dann mit meiner “Trabajo-de-Verano/Techo-”Familie in unser Barrio gefahren, um ein gemeinsames Weihnachten zu verbringen und ueber Gige zu lachen, dessen Gesicht nach ein paar Sekunden die Farbe seines Kostuems annahm. Ueberaus herzlich wurden wir empfangen. Die ganzen Kinder kamen angerannt und hingen bald an allen Armen, ueberall wurde gerufen und gewunken. Die Leute wussten es sehr zu schaetzen, dass wir sie auch an Weihnachten nicht vergassen und verwoehnten uns mit navidadmaessigem Clericol und haste nicht gesehn. (Clericol= ein unglaublich leckerer, kuehler Fruchtsalat mit ein bisschen Alkohol) Mich hat es abgesehen von dem Wiedersehn mit den Leuten besonders gefreut, die Haeuser nicht nur als Fertigbauhaus sonder als ZUHAUSE zu erleben. Abgesehen davon hat es mich und die anderen von Neuem fasziniert zu sehen, wie dieser Ort, der jeden Grund haette den Kopf haengen zu lassen, mit einer so belebenden Atmosphaere erfuellt ist.

“Y después?!”

*Schulterzucken* xD

“Tranquiiiiiiiiiiiiiiilo Che!”

Naja, bis gestern zumindest, als ich es nicht lassen konnte den Hammer wieder zu schwingen! Fuer alle inzwischen bausuechtigen (wie mich :P ) wird mit dem aussortierten Material einfach ein bisschen im Innenhof vom Techo-Buero weitergebaut! Einen Sinn hat das Ganze sogar auch – das Techo-Buero wird um eine Bibliothek mit Archiv und ein Buero fuer die Bauorganisationsleute (ich muss ja mein Wort in Sachen formaler Sprache auch halten- auch wenns zugegebenerweise leicht grenzwertig ist :D ) erweitert.

“Y después?”

Kriege ich hoffentlich meine Reise mit meiner Freundin Verena geplant und genehmigt, lerne ich morgen die Familie einer Freundin kennen, die mich evtl. adoptieren will, misch weiter fleissig in Techo-Angelegenheiten mit und starte guten Mutes in ein neues Jahr 2011. =)

Sollte ich doch wieder einmal nicht ganz dem paraguayanischen Profil entsprechen, ist das naechste “Tranquiiiiiiiiiiiiiiiiilo, no más, Che” mit Sicherheit nicht weit.

“Y después?”

Wuensche ich euch allen einen astreinen Rutsch in ein phaenomenales 2011!!!!

und verspreche einen leichter verstehbareren, formaler korrekteren naechsten Blogeintrag!

Aber das wichtigste bleibt jedoch:

“Tranquiiiiiiiiiilo, Che!” , denn alle offnen Fragen, die gestellt werden beantworte ich gerne- ich befuerchte es sind viele…

Herzlichen Glueckwunsch, Sie haben das Ende des Artikels erreicht!

“Y después?!” :D

Trabajo de Verano (Sommerarbeit)

Du bis doch bescheuert hat man mir gesagt! Wie kannst du denn freiwillig bei dem Wetter 9 Tage lang Erde schaufeln, Naegel versenken, Balken schleppen usw.?!

Die Antwort: Um die besten 10 Tage, die ich bis jetzt in Paraguay hatte zu erleben.

Unsere Bauanleitung (Vertont fuer die Talent-Show mit dem Barrio)

Noch Fragen?

Am Samstagmorgen den 4.12. haben sich etwa 30 Leute, ergriffen von der Idee etwas gegen die Armut hier in Paraguay zu UNTERNEHMEN,  mit Schaufel, Hammer, Schlafsack und vor allem Deo bewaffnet, um sich in den Kampf gegen Sandmengen, Regenguesse, Aussichtslosigkeit und Muedigkeit zu begeben.

Zur gleichen Zeit nahm in einem kleinen, vom Rest der Welt vergessenen Randbezirk von Asunción der muehsame Alltag seinen Lauf. José musste einen weiteren unbezahlten Tag zu Hause Familie bleiben, weil es keinen Zement zum bauen gab. Dón Ramón gruesste seine Tochter, die sich auf den Weg zur Arbeit machte und  fiel muede auf die Matratze nach einer langen Nachtschicht. Rosa brachte ihren Sohn Ale in der Vorschule unter und begab sich auf den Weg zu einem langen Arbeitstag. Oskar begab sich an die vielen Herausforderungen, die einem “Buergermeister” begegnen und so begann ein scheinbar normaler Samstag in einem scheinbar normalen Oertchen.

Es ist ein bewundernswerter Ort. Das Barrio hat es geschafft Drogen- und Kriminalitaetseinfluss von aussen quasi zu verbannen, sich eine Schule fuer die unzaehligen Kinder zu organisieren, es gibt Wasser und Elektrizitaet und vor allem unendlich viel Lebensfreude.

Dies macht es um so schlimmer, unfassbarer und ungerechter, dass diese Leute von der Regierung bei saemtlichen Antraegen uebergangen werden und in zusammengeschusterten, winzigen Huetten leben. Wasser und Wind dringen durch Wand und Decke, Betten (also etwas Weiches, das an ein Bett erinnern koennte) gibt es pro Familie maximal 2, ansonsten schlaeft man auf dem Boden und Abendessen fehlt auch von Zeit zu Zeit….

Als wir uns mit den Leuten unterhalten, zusammen gegessen und gebaut, in einer freien Minute Volleyball gespielt und im Fluss gebadet haben, gab es keine Distanz und keine Unterschiede mehr. Wir waren einfach alle gemeinsam fuer ein Ziel auf den Beinen und jeder hat alles gegeben. So kam es, dass wir unendlich Spass hatten, sowohl mit unserer restlos genialen Gruppe, als auch mit dem ganzen Barrio. Was wir dabei geleistet haben, freut mich sehr und macht mich doch ein bisschen Stolz auf uns. Anfangs hiess es 4 Haeuser in 9 Tagen. Das alleine ist ja schon extrem, denn den Montag nach einer Wochenendkonstruktion kann man eigentlich fuer durchschlafen einplanen. Ein Haus baut man normalerweise an 2 Tagen. Die meisten 2. Haeuser waren an einem Tag fertig. Normalerweise baut man ein Haus zu 6-8 Leuten. Unsere Gruppen hatten 3-4 Leute. Fuer die letzten beiden Haeuser kam das Material nicht rechtzeitig. Also haben wir Samstagnacht den LKW abgeladen, 2 Stunden geschlafen und Sonntag angefangen 2 Haeuser zu baun. “¡Un día más!¡Un día más!” (Einen Tag mehr!) So lautete die Sonntagsparole mit der wir von der Schule auf ins Barrio marschiert sind. Somit sind einige auch wirklich noch einen Tag laenger geblieben. Aus 9 wurden 10 unvergessliche Tage.

Mir kam es sehr absurd vor, denn ich habe mich in dem Barrio so wohl gefuehlt, dass es ein bisschen gedauert hat mich an die Gruende zu erinnern, die mich vom Bleiben abhalten. (Ich suche ja gerade nach einem neuen Zuhause! xD)

Mehr von “Un Techo para mi País”

Wer mag kann den wunderbaren Blogeintrag von Ben lesen. Er hat etwa 5 Haeser weiter von meiner Konstruktion ein Techo-Haus gebaut und schreibt sehr eindrucksvoll ueber die Erfahrung, an diesem Projekt teilzunehmen. Seine Beschreibung kommt meinen Eindruecken sehr nahe und ich empfehle sie gerne weiter. Link zu Bens Blog

Am liebsten wuerde ich vor jeglicher Erlaeterung, euch einfach mal mit Bildern und Eindruecken ueberschuetten.  Ich braechte nicht ueberlegen, was ich wie erzaehle und wuerde meine Uebermuedung auskurieren. =) Abgesehen davon wuerdet ihr euch eventuell ein wenig verlohren vorkommen wie ich von Zeit zu Zeit. Sich in einem anderen Kulturfeld zu bewegen ist eben doch eine 24h-Beschaeftigung, bei der es zwar ueberaus angenehme Mittagspausen gibt, aber Feierabend und vollstaendig abschalten gibt es doch irgendwie nicht. Nein, ich leide nicht an nagendem Heimweh.  Auf Dauer gesehen ist es nur frustrieren staendig nie ganz Teil des Geschehens zu sein, nicht einfach nur selbstverstaendlich zu agieren und sich anstrengen zu muessen, um Gesagtes bzw. Gemeintes mitzubekommen. Egal wo ich hier hinkomme, bin ich vor allem einmal ANDERS. Es ist ein bisschen wie die ganze Zeit in Ketten zu stecken. Dies ist eben die andere Seite von der Freude, die es mir bereitet, wenn mir staendig neue Dinge begegnen und es fuer mich etwas Neues zu entdecken gibt- Vertrautes, Selbverstaendliches, Bekanntes bleibt nicht viel.

So aber jetzt zu den ganzen spannenden Erlebnissen, die mich weitertreiben in Sachen Spanisch verbessern und Kultur kennenlernen! Ein kleines Puzzel fuer euch:

Un Techo para mi País

Am Wochenende gab es wieder 70 Daecher und viiiele strahlende Gesichter fuer mein Paraguay mehr.  Unsere Construcción selbst war allerdings ein bisschen aetzend, weil meine beiden Chefs irgendwie nicht so die Bauhelden waren, oft ewig irgendwas zusammen geraetselt haben, viel alleine gemacht haben, um dann eine halbe Stunde spaeter festzustellen, dass es Murks war. So sind wir dann erst sonntags gegen 1 fertig geworden, nachdem andere zum Helfen vorbeikamen und wir das gesamte Dach noch einmal abgeraeumt  haben.  Unsere Familie war allerdings wirklich nett und es war wieder ein interessanter Eindruck von dem Leben von der Welt abseits der aklimatisierten Kaufhaeuser (wir hatten ca. Saunatemperatur).

Die Einleitung nimmt langsam Gestalt an, oder? Dies gilt insbesondere auch fuer den Aufenthalt in der Schule, wo es viele Gruppengespreache, Programm gibt usw..

Cince

Cince heisst 15 und ist hier fuer die Maedls ein ganz besonderer Geburtstag. Ich hatte das Glueck von meiner Arbeitskollegin zum Cince ihrer Tochter eingeladen zu werden.  Sie feiern leider nicht wie die andern Paraguays wegen ihrer Religion mit viel Musik und Tanz, aber es war trotzdem sehr beeindruckend. Gefeiert wurde in einem stilvollen, brasilenischen Restaurante. Die ganze Familie hatte z.B. seit Monaten an der wunderschoenen Tischdekoration gebastelt und gehaekelt. Das lustigste ist, dass hier auch die Gaeste beschenkt werden mit jede Menge Suessigkeiten usw.. So bekam ich die ganze Tasche vollgestopft mit Sussigkeiten und den aufwendigen Handarbeiten.

Meine Kiddis

Ein voller Erfolg meiner Kiddis war ihre Tanzauffuehrung, fuer die sie schon seit Monaten Choreografien einstudieren. Das Tanzprojekt stammt aus Spanien und wird in verschiedenen Sonderschulen hier durchgefuert. Sie haben es geschafft das ganze Publikum zum weinen und zum jubeln zu bringen. Musik, Bewegung und diese Kinder ist einfach eine phenomenale Kombination.  Die Freude der Kinder war nicht zu uebersehen.

Kurzer Filmausschnitt vom Intro

Die Bilder von unserm Ausflug sind denke ich selbstredend.

Rio Paraguay

Eine Stadt mit Fluss hat schon etwas- auch wenn es nur ein Ersatzrhein ist. Ich sage wirklich  irgendwie aus Versehen immer Rhein. Rhein-Rio ist doch fast dasselbe! Jedenfalls bin ich mit Verena einmal ein bisschen ueber den Rhein geschippert,um mit einem Naturclub Voegel zu beobachten. Wir sind in einen Seitenarm auf der anderen Seite gefahren und waren fast in Argentinien. Wie fast unberuehrte Natur und industrielles Geklotze hier sich gegenueberstehen ist allerdings beaengstgend. In den Fluss sollte man eigentlich besser nicht den kleinen Zeh reinstecken, aber der Fisch wird gegessen.

Techeros im Park

Super Sache!

Gemuetlich ist zwar etwas anderes, aber gelohnt hat es sich trotzdem!

Anlaesslich des internationalen Tages zur Bekaempfung der Armut versammelten sich Samstag Nacht in 18 Laendern in Suedamerika mehr als 10 000 mit Schlafsaecken ausgeruestete, junge Leute. In Paraguay waren wir zu 200. Es ging darum, die extreme Armut als bestehenden Teil der Gesellschaft Suedamerikas darzustellen, als solche auf sie aufmerksam zu machen und Solidaritaet zu zeigen.

Das ganze war aber keine reine Trauerveranstaltung (Emobewegungen gibt es hier uebrigens auch!!xD) – Vor allem ist es naemlich auch so, dass durch Aktionen wie diese “Un Techo para mi Pais- Paraguay” am Leben bleibt zwischen den Konstruktionen. Weiterhin wird der Techo-Spirit aufgefrischt und weitergetragen. Besonders interessant waren die Gespraeche mit einem Vorsitzenden der nationalen Universitaet und freudigen Hausbesitzern. Langsam verstehe sogar ich immer mehr, was noch alles zum Techo in Suedamerika dazugehoert. Das Ganze ist breiter angelegt:

Es gibt verschiedene Niveaus. Paraguay befindet sich auf dem einfachsten Level, das der einfachen “Notfallhuetten”. Insgesamt geht es darum das ganze Barrio insgesamt hochzuziehen. Im naechsten Level wird dann z.B. fuer eine anstaendige Kanalisation gesorgt, es wird mit anderen Hilfmoeglichkeiten/-organisationen wie beispielsweise dem Kleinstkredit gearbeitet und es kann eine Art “Lernzentrum” geben. Hoert sich wunderbar an- ist in Paraguay aber noch sehr weit weg. Chile dagegen ist schon sehr viel weiter fortgeschritten und es scheint dort auch sehr gut zu funktionieren. Ich hoffe unsere Richtung stimmt und ich wuensche mir natuerlich, dass Paraguay auch so weit kommt. Neben dieser Planung  ist auch das Huettenbauen selbst ja auch mehr als Holz anordenen. Wie ich aus meiner eigenen Erfahrung schon berichtet habe, beeinflusst dieses Erlebnis und die Freiwilligen die Familie sehr. Es zeigt ihnen, dass Veraenderung aus eigener Kraft moeglich ist, dass die Gesellschaft sie nicht gaenzlich ins Abseits verbannt (eines der Barrios heisst z.B. schon “mundo aparte” “Welt abseits”) und die Freiwilligen koennen auch etwas nuetzliche Bildung mitbringen. Ein simpler Trick (z.B. anstatt ein Kilo Fleisch als Essen fuer einen Tag, billigeres Essen fuer 2 Wochen zu kaufen), kann die Lebensqualitaet einer Familie erheblich verbessern. Viele der ungebildeten Armen denken leider extrem kurzfristig und haben z.B. ueber so eine Kalkulation noch niemals nachgedacht. Ein anderes eingaengige Beispiel ist die Versetzung des Armenvirtels in der naehe des Flusses. Der Staat will dort eine Autobahnbruecke bauen und bietet den Armen entweder ein Haus oder Geld an. Die meisten nehmen das Geld, um es dann in kurzer Zeit auszugeben. Wohlbemerkt leben diese Leute gerade in Papphuetten und ich wuerde eig. denken, dass ein wirkliches Eigenheim ihr groesster Traum waere… Wenn das Geld dann aufgebraucht ist, haben sie nicht einmal ihren Platz mit der Papphuette mehr.

So und fuer die ganzen Informationen lege ich keine Hand ins Feuer! xD Denn es ist immer noch alles auf Spanisch und ich verstehe zwar immer mehr, aber immer noch vieles nicht sicher… :-/

Techo_Fotos

Genial! Die ganze Seite ist voll mit professionellen Techo-Fotos. Alles was rote Haare hat bin ich =) http://www.yluux.com/2010/09/30/imagenes-desde-un-techo-para-mi-pais/

No somos sí no hacemos

Meine Augen Schlitze, meine Knie blau, saemtliche Koerperteile im Streik, mein Nacken verbrannt, meine Fingernaegel unabwaschbar schwarz- und mein Kopf um einige wunderbare Erfahrungen reicher! Wie es dazu kam? “Un Techo para mi país” (Ein Dach fuer mein Land)

Ein milder Freitagabend in einer Sporthalle in Asunción…angefuellt mit 100 Cuadrillas a 4-6 hufscharrenden jungen Leuten, die nicht wegschaun wollen, die nicht davor zurueckschrecken sich die Haende einzusauen und mit vollem Koerpereinsatz anzupacken, um gemeinsam mit 100 Familien deren Leben an einem Wochenende zu veraendern. Die Aufbruchsstimmung knisterte in der Luft und nach ein paar Ansagen und Gejubel ging es in den verschiedenen Bussen Richtung Schulen. Spaetestens da wurde mir klar, dass dieses Wochenende einer anderen Art angehoeren wird- und zwar nicht nur, weil ich erleichtert mein geliebtes Bett (eine alte Wolldecke) in den Haenden hielt [bis 1 Stunde vor Abfahrt hatte ich garkein "Bett", da meine Familie auch keine Decke fuer mich hatte]. Was Stimmung angeht sind die Paraguayos ja schon immer gut dabei, aber wenn dann jede Menge  junge Paraguayos, mit ein bisschen mehr im Kopf als der Durchschnitt, sich auf den Weg zur Veraenderung begeben, gibt es kein Halten mehr.

So stiefelten wir in aller Fruehe nach einer luxerioesen Nacht in die zu vermeidenden Regionen der Stadt (/der Gesellschaft). Ich lasse jetzt eben die protokollartige Beschreibung aus, um zu erlaeutern, was eig. geschah: “1 gefallener Mann ist eine Tragoedie. 100 von 500 – sind Statistik” (danke Ben!). In diesem Sinne hat die gerne in Zahlen und schockierenden Bildern dargestellte Armut Gesichter und Namen bekommen, die meinen mit angewiederter, angsterfuellter Distanz aufgepusteten Ballon haben platzen lassen. Diese Leute sind ganz normale Menschen- wie du und ich- …mit dem Unterschied, dass sie unter anderen Umstaenden leben; aber eben doch auch leben. Ich empfand unsere Familie als sehr liebenswert oder sogar als sympatischer als man andere Person. Am beeindruckensten war der 10-jaehrige Junge, der die Naegel nur so im steinharten Holz versenkte- einen nach dem andern.

Unser Haus haben wir zusammen fuer und mit einer Frau und ihren 6 Kindern gebaut. Ja, ich dachte auch erst. “Oh mein Gott?! 6 Kinder, das juengste 3 Monate und kein Vater. Was ist das fuer eine Frau?!” Ingnocencía ist jedoch eine sehr bemuehte, gepflegte Frau, die unglaublich liebevoll mit ihren Kindern umgeht und wahrscheinlich alles fuer sie tun wuerde. So hat sie sich seit 2 Jahren immer wieder fuer das Haus angemeldet, schickt jedes ihrer Kinder zur Schule (obwohl sie das Geld, das sie in der Zeit verdienen koennten, sehr noetig hat) und arbeitet viel (sie sortiert Muell und verkauft ihn anschliessend zum Recyling). Bis jetzt wohnten sie in einem zusammengeflickten Holzhuettchen, das unter Wasser steht bei Regen und sonst auch nicht sehr viel aushaelt. Es gibt wohl noch aermere Laeute hier, aber im Groben sieht die Armut Paraguays so aehnlich aus: Haeuser gibt es nicht. Stattdessen aus gefundenen Sachen zusammengezimmerte Huetten und Kaefige fuer die Tiere und Kochstellen im Freien. Richtiger Luxus was das fliessende Wasser und das kleine “Badezimmer” (ein zusammengewuerfeltes “Zimmer” abseits mit einem Loch, einem Wasserkanister als Spuehlung und einem Bindfaden als Schluessel).

Das neue Haus (eine stabile, wasserdichte, 6×3m Holhuette 50 cm ueber dem Boden) [quasi ein Haus im Ikea-Stil] loest sicher nicht alle Probleme, aber dennoch ist es mehr als schoen formiertes Holz und Wellblech. Das Projekt zeigt den Familien, das Veraenderung moeglich ist- und zwar durch persoenlichen Einsatz und nicht nur dsa blosse Hoffen auf Gaben von “den Reichen”(, die sie in meinen Augen oftmals sehr entmuendigen.)

Ausserdem ermutigen die Freiwilligen sie. Am 2. Tag unterhaelt man sich noch mehr mit den Familien, sie erfahren ein Interesse der Gesellschaft und damit auch, dass sie immer noch Teil dieser sind. In solchen schon vertrauten Gespraechen nutzen viele Freiwillige die Gelegenheit, um ihrnen weiter Mut zur Veraenderung zu machen, zu bestaerken wie wichtig die Bildung der Kinder ist usw..

Mit den anderen werde ich unsere Familie wieder besuchen und fehlen werde ich bei den naechsten Construcciones bestimmt nicht! Es ist ein geniales Gefuehl wirklich etwas unternehmen zu koennen. “No somos si no hacemos” (Wir sind nicht, wenn wir nicht tun) lautet der Spruch auf dem T-Shirt von “Un Techo…” und ich uebernehm ihn gerne. Ich finde er passt eig. in jedes Leben und in jede Lage;).

P.S.: Fotos von meiner Cuadrilla suche ich leider noch vergebens. Meine Kamera sollte laut meiner Mamá zu Hause bleiben, aber es gibt etliche Fotos von Fotographen. Ich war irgendwie ein beliebtes Motiv. Fuer einen Eindruck :http://www.youtube.com/watch?v=fthcFF9JLKg ;http://www.youtube.com/watch?v=r3NDfqq4WF0&feature=related ; http://www.untechoparamipais.org/paraguay/;

P.P.S.: Ich hoffe ihr wisst Elektrosaegen, Bohrmaschienen und gesundes Essen genuegend zu schaetzen!

P.P.P.S.: Erste Frage meiner Mamá zu Hause: “Und? Wie viele Stockwerke hat euer Haus?”