mit dem sozialen Programm "weltwärts" nach Paraguay

Archive for June, 2011

KAAALT

Verdammt bin ich am frieren! Unglaublich! Da denkt man Paraguay, Sonne usw.. Stimmt ja auch, aber jetzt gerade haben wir 0 Grad und halt eben keine Heizung! Trotz meiner Decke, 5 Shirts und Muetze konnte ich bei dem Gedanken an die vielen Leute ohne feste 4 Waende doch einfach nicht gut schlafen.

Hier herrscht schon eine ziemliche Abschiedstimmung ueberall. Morgen reisen schon einige andere AFSer heimwaerts. Fuer mich geht´s morgen aber erstmal noch nach Rio de Janeiro! :P Wenn man dann schon noch die Moeglichkeit hat…

Einen gelungenen Volltreffer lasse ich euch aber noch da. Hier fahren ueberall Pferdekarren durch die Strassen zum Muelldurchsuchen, Mandiokaverkaufen oder was auch immer. Trotz ihrer Vielzahl sind sie doch recht schwer in die Linse zu bekommen. Die Beschreibung der Missstaende der armen Pferdchen lass ich jetzt mal noch aus…

Bruchblicke

Natur, Wasserwerk, Freunde, Familie, Sonntagsgrillen, Arbeit, ein paar der einmaligen Blicke aus Paraguay festgehalten…

Und so fliegen die Tage dahin…

Da bin ich so beschaftigt das paraguayische Leben jetzt nun endlich mal zu leben, dass mich ja kaum noch melde! Entschuldigt! Ich komme halt einfach kaum dazu, denn jede freie Minute, die man nicht mit schlafen oder arbeiten beschaeftigt ist, wird mit der Familie geteilt und ich geniesse es!

Dieses “aufeinanderhocken” und sich einfach die Zeit mit Fernsehn, Kochen, Durch-die-Gegend-fahren und einfach nur iwie “Zeit zu teilen”, wie man hier so schoen sagt, ist das A&O in Paraguay und ich bin zu guter Letzt doch Teil davon fuer 2 Monate.=) Ja, mich haette man sonst niemals zu soviel “sinnlosem Krams” und “herumguemmeln” bekommen und auch jetzt lege ich meine Lektuere, Uniorganisitaion und Sportuebungen ein, wenn alle denken, ich schliefe(gerade ist uebrigens auch Mitternacht), aber ich bekomme langsam einen wirklichen Eindruck, was kultureller Austausch bedeutet und wie es sich anfuehlt in und mit der paraguayischen Kultur zu leben. Jeder einzelne von meiner Gastfamilie inklusive Oma  usw. sind superspeziell, aber absolut liebenswert! Wusstet ihr z.B., dass man auf garkeinen Fall am selben Tag Schokolade und Wuerstchen essen darf?! Also mit Schokokornflakes zum Fruehstueck und Currywurst zum Mittag bringt man sich direkt in die Notaufnahme! Die absolute Magenerosion kann man auch viel einfacher haben: Da reicht schon ein Glas Milch nach dem Essen! (Irgendwie gings mir dannach immer noch gut…) Vielleicht gilt das nur fuer paraguayische Maegen, denen macht auch scheinbar das ganze fritierte Zeugs und tonnenweise Mais nichts. Wirklich aufpassen muss man aber mit seinen Worten!!!, denn einmal am Tag oeffnet der liebe Gott den Himmel, um die gefallenen Worte wahr zu machen…und niemand weiss, wann dies geschiet! Apropros Worte: Erste Frage meiner Gastomi: “Ist deine Mutter eigentlich dick!? Die deutschen Frauen sind doch immer dick!” USW…. Ach, ich sammle diese ganzen Theorien mal. Das Doofe ist nur, wenn man nichtmal an die Theorien von wegen wann was wie gegessen, angefasst, gesagt, zubereitet, gepflegt… glaubt, faellt es schwer immer an alles aus Respekt zu denken und ich merke einfach an soooovielen Stellen, wie anders ich mit meinem kulturellen Hintergrund bin. Es empfiehlt sich allerdings sich Muehezu geben, denn der (kulturelle) Stolz ist hier sehr schnell verletzt! Nach meiner Erzaehlung jetzt, ist es doch unglaublich bemerkenswert, wie gut wir miteinander auskommen! =)

Und nein, ich kann es natuerlich nicht lassen, trotzdem so viel wie moeglich zu unternehmen! Leider fehlen mir jetzt noch die Fotos dazu… Kommen nach!

An einem Wochenende habe ich mich durch ein vergessenes Fleckchen Erde getummelt, um zu staunen, wie arm Maria trotz harter Arbeit doch ist!

Am andern habe ich mich durch das groesste Oekoreservat paraguays gehangelt, um zu staunen, wie reich dieses Land doch ist!

Das naechste Wochenende sehe ich ein riesiges, modernes Handels- bzw. Schmugglerzentrum namens “Ciudad del Este” an der Grenze zu Brasilien- geschmueckt mit einem millionenschweren, binationalen Wasserkraftwerk.

Am naechsten Tag haette genau so gut ich statt dem Maedchen, das 10 min spaeter meinen Weg genommen hat, ueberfallen und mit Messer im Bein versehen worden sein… etwa 10 Stunden spaeter haelt mich nur eine verklemmte Tuer davon ab warscheinlich mit einer schillernden  Kugelladungen ausgestattet zu werden.

Dazwischen sehe ich Kinder mit Schleifchen, die herzlichst liebgekost werden; scherzende und lachende Menschengrueppchen, die gemuetlich zusammenhocken; einen froehlich plaudernden Kioskverkaeufer; praechtige bluehende tropische Pflanzen; schillernde Voegel; Luxusvillen mit schoenen Gaerten und dem fetten Auto in der Einfahrt; hypermoderne Gebaeude… und das alles hinter riesigen Stahlgittern versehen mit dem hohlen grimmigen schwerbewaffneten Mann mit kurzen Haaren und Uniform; Neben widerlich luesternen alten Saecken, die einan anstieren und Orgasmusgeraesche von sich geben; Neben verdreckten pissestinkenden Strassenkindern, die auf die Scheiben springen zum putzen, in den Bus zum betteln oder Kaugummis verkaufen, waerend ihre schwangere Mutter vom Buergersteig aus zusieht; Die Autos ohne Respekt vor jeglichem andern Leben so schnell und ruecksichtslos wie eben moeglich, ueber die schlagloecher- und muellversehenen Strassen heizt;

Und dann komme ich zurueck zu meinem paraguayschen Zuhause, wo es den wunderbar normalen Familien- und Nachbarkrieg gibt, aber wo auch immer eine warme Tasse Kaffee auf mich wartet! Jedoch auch nach der zweiten, komme ich oft an einem Tag nicht aus meinem Gedankenkarussel heraus…  Zumindest fange ich inwischen an nachvollziehen, wie der Paraguayo am liebsten zu Hause bleibt, seine Familie um sich scharrt, niemandem traut (und eben auch keinen Arbeitplatz anvertraut), der nicht um irgendeine Ecke mit ihm verwandt oder befreundet  ist und sich bei jedem Gespraech lauthals empoert ueber die schrecklich Welt, die boese Menschheit, die boesen Argentinier, Brasilianer, Politiker, Cerristas (Fussballclub), Chacariqueños (Einwohner aus dem umschriensten Armenviertel)… fehlen nurnoch die Juden! Die Aliens hatte ich auch schon in der Liste!

Nach meiner dritten Tasse, wuensche ich mir dann doch manchen Tages eines meiner Kinder zu sein, das im Besitz von einer handvoll grauer Zellen es schafft, seine Welt nur um sich selbst  zu bewegen!

Was fuer eine verrueckte Welt, unsere Welt!

Und dabei wollte ich doch eigentlich erzaehlen, wie ich es geschafft habe, dass die Leute auf der Strasse mich wiedererkennen, um dann schreiend und lachend mit dem Finger auf mich zu zeigen.

Naechstes Mal!